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Sixdays: Das Wort Müdigkeit ist passé
26-01-2010 | 0 kommentare
Sixdays: Das Wort Müdigkeit ist passé

GX war in München dabei, als das Skill7-Team mit bloßer Muskelkraft und mehr als 50 km/h über die Bahn heizte

Die Sixdays, besser bekannt als Sechstagerennen. Sie haben eine lange Tradition im Radsport, nicht nur in München. Doch vor allem dort genießt das Sechstagerennen hohes Ansehen. Die Fahrer bezeichnen die Veranstaltung in der Olympiahalle intern als Weltmeisterschaft. Entsprechend international gestaltet sich das Teilnehmerfeld. 15 Teams waren dieses Mal mit dabei, als auf der Fichtenholz-Bahn der Startschuss fiel.  200 Meter lang und 6 Meter breit ist der Untergrund, auf dem bis zu 60 km/h erreicht werden. Sechs Tage, vielmehr sechs Nächte lang legen sich die Fahrer ins Zeug. Auf den ersten Blick sieht das einfach aus, ist aber ein Sport, der geübt sein will und den Teilnehmern alles abverlangt. Schnelligkeit ist gefragt: Immer wieder kommt es darauf an, wer den schnellsten Sprint, die schnellste Runde, die schnellste Jagd hinlegt. Und dennoch muss stets die Ausdauer im Auge behalten werden. Gerade die kurzen, aber immens intensiven Einheiten zehren an den Kräften. Wer da sechs Tage durchhalten möchte, muss seine körperlichen Kraftreserven gut einschätzen können. Ebenso wichtig: Konzentrationsvermögen. Obwohl nie alle pro Renntag ausgetragenen Disziplinen am Stück anstehen, es also immer wieder Pausen für die Teams gibt, stellt die Konzentration eine der größten Herausforderungen dar. Sechs Tage lang über jeweils fünf Stunden auf der Bahn zu sein, und das bei Nacht, erfordert höchste Konzentration. Ein ungeübter Sportler würde wohl spätestens an dieser Stelle scheitern. Plus: Es kostet Überwindung, überhaupt richtig Gas zu geben. Bei 60 km/h über die Bahn zu rasen, wohl wissend, dass keine Bremsen am Rad sind, mitunter in nahezu sechs Metern Höhe Runden zu ziehen, also quasi in Schieflage auszuharren, völlig wider dem normalen Körpergefühl, das ist schon eine stattliche Leistung. Wie stattlich, das beweist nicht zuletzt die Tatsache, dass nur 13 Teams den letzten Renntag in München tatsächlich beendeten.  

GX war vor Ort, als Mitte November das 46. Sechstagerennen in München stattfand. Hautnah haben wir dabei das Team von Skill7, Deutschlands größter Spieleseite, begleitet. Danilo Hondo und Andreas Beikirch gingen für die Skill-Game-Domäne an den Start. Beide sind bekannte Radsportler, wenn auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

 

Das Team

 

Danilo Hondo

Danilo Hondo wurde am 4. Januar 1974 in Wilhelm Pieck Stadt geboren. Danilo fand früh den Weg zum Radsport, war zunächst auf der Bahn aktiv, hatte jedoch immer das Ziel, zum Straßenradsport zu wechseln. Auf der Bahn verbuchte er 1994 unter anderem einen Weltmeister-Titel in der Disziplin 400 m Mannschaft. 1997 stieg er als Profi in den Straßenradsport ein. Danilo Hondos größte Erfolge waren zahlreiche Etappensiege bei der Friedensfahrt und beim Giro d'Italia 2001. 2002 wurde Hondo bei der deutschen Straßenmeisterschaft in Bühl deutscher Meister. Im Jahre 2005 schien Hondo vor seinem Durchbruch zu stehen, aber ein positiver Dopingbefund während der Murcia-Rundfahrt 2005 und die darauffolgende einjährige Wettkampfsperre, die dann auf zwei Jahre verlängert wurde, schienen seiner sportlichen Laufbahn ein Ende zu bereiten. 2006 hob jedoch das Oberste Kantonsgericht der Schweiz die Sperre einstweilig auf. 2008 gewann Hondo mit Leif Lampater die Sixday Night in Büttgen, wurde Vierter beim Sechs-Tage-Rennen in Dortmund und erreichte mit seinem Partner Andreas Beikirch den sechsten Platz bei den Sixdays in Zürich. Im Oktober 2009 belegte er mit Sven Krauß Platz drei beim Auftakt der deutschen Bahnsaison, der Sixday-Night in Karst-Büttgen.

 

Andreas Beikirch

Andreas Beikirch wurde am  29. März 1970 in Hilden geboren. 1988 holte er einen ersten Junioren-Weltmeister-Titel. Zwei Jahre später gewann er sein erstes Sechstagerennen. Bei Straßenrennen fährt Andreas Beikirch für das Team Sparkasse. Doch vor allem während der Sixdays-Saison ist er ein gefragter Mann und mit insgesamt 117 Starts einer der Routiniers. Insgesamt konnte Beikirch im Laufe seiner Karriere sieben Siege bei Amateur-6-Tage-Rennen sowie vier Siege bei den Profis einfahren. In der Münchner Olympiahalle war dem Madison-Europameister von 2003 und zehnmaligen Deutschen Meister, allerdings noch nie ein Sieg vergönnt. Letztes Jahr erreichte er mit Christian Lademann den sechsten Platz. Die Sixdays-Saison 2008/2009 verlief für Beikirch zunächst erfolgreich. In Dortmund wurde er Zweiter, in Gent Dritter, Vierter in Rotterdam, in Zürich erzielte er mit Partner Danilo Hondo den fünften Rang. Dann jedoch stürtzte er sowohl in Bremen wie auch in Hasselt und musste abbrechen.

 

Das Rennen

 

Tag 1

Donnerstags fällt der Startschuss. Die italienische Nacht steht auf dem Programm, und damit fällt der Startschuss für sechs Tage hochkarätigem Radsport. Der Rahmen einer italienischen Nacht bezieht sich jedoch vor allem auf das Ambiente, in dem die Zuschauer die sportlichen Darbietungen in der Olympiahalle genießen. Kulinarische und musikalische Akzente aus Italien sollen in Stimmung bringen, während die Profis in die Pedale treten. Zunächst werden die einzelnen Teams vorgestellt. Viele Namen sind bekannt. Nicht nur Hallensportler sind vertreten, auch der Straßenradsport ist mit von der Partie. 15 Teams gehen insgesamt an den Start, darunter auch Danilo Hondo und Andreas Beikirch, die Skill7 auf der Strecke vertreten.  Dann endlich: Das erste Rennen beginnt, eine so genannte Jagd. 120 Runden müssen gefahren werden, bei einer zweiten sogar 200 Runden. Und dann noch Wertungsfahren, Derny Rennen, Rundenrekordfahren, Ausscheidungsfahren. Für einen gänzlichen Laien im Publikum ist es fast schwer, die einzelnen Disziplinen auseinander zu halten. Doch das Gros der Zuschauer kennt sich aus mit der Materie, kommt jedes Jahr zu den Sixdays. Wer Neuling ist, kommt trotz allem auf seine Kosten. Die verschiedenen Rennen werden im Vorfeld erklärt. Ein Kamerateam ist vor Ort, das die Highlights auf Großleinwand bringt, Interviews mit den Fahrern führt und generell dafür sorgt, dass die Atmosphäre auf den Rängen ebenso lebhaft ist wie auf der Bahn. Und: Es gibt viele kleine Side-Events auf der Bahn, die allein dem Entertainment dienen. Highlight am ersten Tag ist ein Inline-Cross-Contest.  Auch dabei gibt es Action pur: Mit fast 60 km/h wird über die Bahn gerast. Das bietet den Radfahrern zumindest eine kleine Verschnaufpause, bevor es wieder raus geht.

Fast fünf Stunden dauert der Renntag. Erst kurz nach Mitternacht wird das gelbe Trikot an den Führenden übergeben. Schon das bloße Zuschauen scheint nach dieser langen Zeit an den Kräften zu zehren. Es ist nicht schwer vorstellbar, wie immens die Belastung für die Fahrer sein muss - körperlich, aber auch mit Blick auf die Konzentration. Natürlich wird nicht ununterbrochen gefahren. Dennoch ist die Verausgabung enorm, gerade weil jede Disziplin eine andere Dynamik erfordert. Mal ist Ausdauer gefragt, mal der schnelle Sprint auf höchster Belastbarkeitsstufe, und auch eine ausgereifte Technik. Die Räder haben keine Bremsen,  es kann also nur nach vorne gehen. Tempo ist gefragt, auch durch das geschickte Ausnutzen von Windschatten, das „Ziehen" des Teamkollegen. Ein Hobbysportler würde nach so einem Tag längst in die Knie gehen. Nicht so die Radprofis. Schon in weniger als 24 Stunden stehen sie wieder auf der Bahn - auch das Skill7-Team. Das Duo ist nach dem ersten Renntag auf Platz sechs gelandet. Lediglich zwei Runden Rückstand hatten sie auf das Führungsteam, Alex Rasmussen und Michael Morkov. Danilo und Andreas sind nicht wirklich zufrieden mit der Platzierung. Doch noch ist alles drin. Zudem ist man zumindest fit für den nächsten Tag, was nicht immer selbstverständlich ist, wie sich schon ersten Renntag bewies: zwei Teams waren auf der Strecke in einen Sturz verwickelt worden. Das kann bei mehr als 50 Stundenkilometern schon fatal sein. In diesem Fall trug niemand schwere Verletzungen davon. Dennoch war das Rennen für diese Teams gelaufen.

 

Tag 2

Partynacht ist das Motto, wohlgemerkt eine Partynacht fürs Publikum. Auf der Bahn gehen die Profis wieder bis an ihre körperlichen Grenzen. Es stehen nicht nur die Disziplinen vom Vortag auf dem Programm. Erstmals soll auch eine 4er-Mannschaftsverfolgung gefahren werden, die auch bei Olympia-Wettbewerben und Weltmeisterschaften ausgetragen wird.  Und auch das Rahmenprogramm  trumpft wieder mit manchem Highlight auf: DJs, Wettbewerbe - und für auserlesene Gäste auch eine Schnupperstunde mit Publikumsliebling Bruno Risi, der beim Münchner Sechstagerennen eine echte Ikone ist. Drei Stunden lang können sich zehn Teilnehmer zusammen mit dem Radprofi im Bahnradsport versuchen.

Volle Ränge gibt es auch am zweiten Rennabend nicht. Leider, wie man sagen muss. Denn die Action auf der Bahn stimmt. Erstklassiger Radsport. Dem Skill7-Team kommen vor allem die helfenden Hände der sechs Promo-Girls zugute, die auf den Tribünen unterwegs sind, um Gutscheine und Tröten zu verteilen. Obwohl mehrere Sponsoren vor Ort sind, hat nur Skill7 Rüstzeug fürs Publikum bewerkstelligt: Das wird belohnt und kommt vor allem den Aktiven auf der Bahn zugute. Denn es wird kräftig in die Tröten gepustet; das kurbelt die Stimmung und auch die Motivation der Fahrer an. 

Nach Mitternacht wird wieder das gelbe Trikot übergeben. Dieses Mal geht es an Bruno Risi und Franco Marvulli. Danilo und Andreas liegen auf Platz sieben. Noch vier Renntage stehen bevor.

 

Tag 3

Dritter Renntag. Die Halbzeit naht. Es ist Samstag und damit der passende Tag, um die Veranstaltung schon früher einzuläuten. Jugendtreff und Trachtennacht stehen auf dem Programm -fürs Publikum. Schon am Nachmittag stürmen unazählige Kids und Teenager in die Halle. Es wird laut: Die Stars des neuen Kino-Blockbusters Twilight - New Moon sind zu Gast. Und während Kristen Stewart (Bella), Robert Pattinson (Edward) und Taylor Lautner (Jacob) aus dem Nähstästchen plaudern, machen sich die Fahrer abermals für die nächste Sixdays-Etappe startklar. Der Showcharakter ist allgegenwärtig, auch am Abend. Dann heißt es: Startschuss zur Trachtennacht. Das Publikum bringt sich bei Live-Musik in Stimmung. Apres Ski Stadl und Kurvenbar warten. Alle Altersklassen sind vertreten, viele sind in Trachten gekommen. Dann wird es langsam laut in der Halle. Die Rad Open der Männer/ Junioren läutet das Renngeschehen ein. Und in der Boxengasse feilen Fahrer und Techniker am letzten Schliff. In den Boxen  wird nicht nach Teams separiert. Mehrere Fahrer können den gleichen Techniker als Betreuer haben, auch wenn sie verschiedenen Teams angehören.

Auch an diesem Abend werden wieder sämtliche Disziplinen durchgefahren. Noch einmal durchatmen, Kräfte sammeln. Dann geht es auf die Bahn - weitere fünf Stunden in die Pedale treten. Das gelbe Trikot geht dieses Mal an Danny Stam und Peter Schep. Unsere Jungs von Skill7 sind um einen Platz abgerutscht. Platz acht zur Halbzeit. 

 

Tag 4

Noch drei Renntage stehen bevor. Familientag ist das Stichwort beim vierten Stelldichein. Es geht schon am frühen Mittag los - obwohl die Fahrer ja am Vortag noch bis 00:30 auf der Bahn unterwegs waren. Ihrem Rhythmus soll aber kein Abbruch getan werden. Wie immer steht zunächst ein großes Rahmenprogramm an. Dieses Mal sollen das Publikum animiert werden, selbst aktiv zu werden.  „Pullridung": Ein Bulle wird mit der Muskelkraft eines Teams bewegt, der Cowboy der gegnerischen Mannschaft soll zu Fall gebracht werden. Und: Kids Cup. Der Nachwuchs erobert die Bahn, zumindest bis zum frühen Abend. Dann wird es wieder ernst. Die Profis kehren auf die Bahn zurück. Vierter Renntag. Startschuss für eine weitere Partie Rad-Akrobatik!

Bruno Risi und Franco Marvulli holen sich letztlich das gelbe Trikot zurück. Danilo und Andreas sind nach wie vor auf Platz acht, sind aber mit Spaß und Leidenschaft bei der Sache. Gut so! Noch stehen zwei Renntage an.

 

Tag 5

Jagdfieber: Der Name ist Programm. Oft soll sich am fünften Tag schon entscheiden, wer die Sixdays gewinnt. Sagt man zumindest. Doch es bleibt eng. Alex Rasmussen und Michael Morkov, die am ersten Tag das Trikot holen konnten, sind zurück. Sie nehmen Bruno Risi und Franco Marvulli die Führung ab und liegen damit wieder im Rennen um den Gesamtsieg. Auch für Danilo und Andreas geht es wieder nach oben: Sie verbessern sich um einen Platz und liegen kurz vor Ende der Sixdays wieder auf Platz sieben. 

Und was gab es sonst noch vom Abend zu berichten? Die Große Jagd stand an, bei der es ein Auto für den Sieger gibt. Zusätzliches Highlight: Die erste Etappe des 500-Meter-Zeitfahrens ging vonstatten. Die Fahrer haben wahre Höchstleistungen vollbracht, und das nach immerhin schon fünf Tagen Höchstleistungssport.  

 

Tag 6

Letzter Renntag, Championsnacht. Heute wird alles entschieden, die Champions werden gekürt. Es zeichnet sich bereits ab, wer um den Titel fährt - wenn es zu keinem Zwischenfall kommt. Doch die Motivation ist trotz allem hoch - bei allen Teams. Der olympische Gedanke ist zu spüren. Dabei sein ist alles, und das heißt alles geben. Über 300 Runden geht die Schlussjagd, und das ist nur eine von vielen Disziplinen. Noch einmal müssen alle Kraftreserven aktiviert werden.  Das Publikum hat längst seinen Favoriten ausgemacht. Bruno Risi, der jedes Jahr in München mit dabei ist, will sich in diesem Jahr verabschieden. Seine letzte Saison und somit seine letzte Teilnahme am Rennen in der Olympiahalle. Noch hat er Chancen auf den Titel. Für das Publikum steht schnell fest, wer gewinnen soll.

Es wird wieder laut. Tröten, riesige Kuhglocken - es herrscht Stimmung auf den Rängen; vor allem als die letzten Runden anstehen und die Zahl auf der Anzeige immer kleiner wird. Und noch wechselt die Führung immer wieder. Bruno Risi fährt zwar immer noch um den Titel mit. Noch ist ihm der Sieg aber nicht sicher. Pure Action auf der Bahn, genau das will das Publikum sehen. Dann endlich: Die Ziellinie ist in Sicht, 300 Runden sind fast geschafft. Und das Team von Bruno Risi und Franco Marvulli schafft es tatsächlich.

 

1              Bruno Risi & Franco Marvulli                       

2              Alex Rasmussen & Michael Morkov

3              Leif Lampater & Christian Grasmann

4              Danny Stam & Peter Schep

5              Kenny de Ketele & Roger Kluge

6              Sebastian Siedler & Andreas Müller

7              Danilo Hondo & Andreas Beikirch

8              Leigh Howard & Glenn O'Shea

9              Daniel Musiol & Sven Krauß

10            Martin Blaha & Jiri Hochmann

11            Marcel Barth & Karl Christian König

12            Benjamin Erdmüller & Lars Teutenberg

13            Christian Bach & Fabian Schaar

 

Riesiger Jubel unter den Zuschauern, riesiger Jubel beim Siegerteam. Einen besseren Abschied hätte sich Risi nicht wünschen können! Mit einem Blumenstrauß geht es für den neuen, alten Champion noch einmal auf die Bahn. Abschiedsrunde. Die Fahrer stehen mit ihren Rädern Spalier, gleich nebenan formieren sich die Techniker zum Ehrenbogen: Das geschieht nur selten, nur bei ganz besonderen Anlässen. Auch Danilo und Andreas stehen auf der Bahn, um Risi einen gebührenden Abschied aus der Aktivenlaufbahn zu geben. Platz sieben war es für die Beiden zuletzt.

Und Risi? Der scheint den Tränen fast nahe, fährt abermals über die Bahn. Dann die Siegerehrung: Jubel, der Sekt spritzt. Die Halle leert sich langsam...

Doch vorbei sind die Sixdays längst noch nicht. Nach sechs Tagen höchster sportlicher Leistungen und absoluter Konzentration können auch die Fahrer nunmehr endlich entspannen. Ein Nightclub ist in der Olympiahalle eingerichtet worden. Flotte Musik, Gogotänzerinnen. Hier mischen sich Publikum und Fahrer. Für Letztere wird es noch einmal offiziell, wenn auch gemütlich. Veranstalter Klaus Cyron und sein Team haben zur Fahrerparty geladen, um sich bei allen zu bedanken. Es herrscht ausgelassene Stimmung, Buffet und Getränke warten, während Klaus Cyron das Wort ergreift.

Die Sixdays 2009, das 46. Sechstagerennen in München ist vorüber. 

 

Interview mit Danilo Hondon und Andreas Beikirch vom Team Skill7:

GX: Wie zufrieden seid ihr bisher mit euren Ergebnissen?

Danilo: Grundsätzlich kann man natürlich nicht zufrieden sein. Aber wir sind ein Team, das sich gerade erst zusammen gefunden hat. Wir haben letztes Jahr bei diesen Sechstage-Geschichten angefangen, und gerade für mich als Straßenfahrer ist es für mich am Anfang schwierig gewesen, da überhaupt reinzufinden. Ich kann von Andy dabei wirklich lernen und Tag für Tag läuft es besser. Wir haben uns eigentlich souverän eingeordnet und ich glaube, beim nächsten Rennen können wir dann wirklich optimistisch sein, dass wir dann vorne ein bisschen mitmischen.

GX: Welchen Stellenwert hat dieses Rennen prinzipiell für euch?

Danilo: München wir indirekt ja immer als die Weltmeisterschaft der Sechstagerennen bezeichnet. Für Andy als Spezialist ist der Stellenwert sicherlich noch ein Stück weit höher als für mich als Straßenfahrer. Aber als Deutscher möchte man sich natürlich immer gut präsentieren. München ist einfach eines der großen klassischen Sechstagerennen. Das ist schon ein wichtiges Event.

GX: Beim aktuellen Event hat es ja schon einige kritische Bemerkungen zu den vergleichsweise wenigen Zuschauerzahlen gegeben. Könnt ihr euch das erklären?

Danilo: Sicherlich hat man da als Rennfahrer so die ein oder andere Idee, wobei das Konzept eigentlich sehr schlüssig ist. Es ist wirklich guter Sport, der hier gezeigt wurde. Im Großen und Ganzen stimmt die rote Linie. Es hat sicherlich niemand verdient: Der Veranstalter nicht, die Rennfahrer nicht. Denn es wird guter Sport gezeigt. Das ist einfach schade.

GX: Aber es ist ja trotz allem eine sehr gute Atmosphäre hier.

Danilo: Auf jeden Fall. Man sieht ja auch jetzt, dass sich die Ränge immer noch füllen. Es waren eigentlich in erster Linie die ersten zwei Abende, die dann aber vor allem auch in den Medien ein wenig schlecht geschrieben worden sind. Man muss auch mal ehrlich sagen: Wenn der Journalismus möchte, dann würden auch mehr Zuschauer kommen. Man muss das auch mal ein wenig fördern. Das geht ja bei anderen Events auch. Das wird viel zu selten gemacht, die Frage ist warum. Denn ich denke, Radsport ist eine Geschichte zum Anfassen und wir werden ja auch nicht selten als Artisten bezeichnet. Wenn man das hier sieht - ich glaube, da gibt es wenige, die das wirklich mal probieren würden, ohne sich in die Hose zu machen [grinst]. Wir haben unsere Ideen auch mit eingebracht, weil wir von unten natürlich auch bemerken, was bei den Zuschauern mehr Stimmung macht und was nicht. Ich denke mal, in der Neuzeit muss man auch gewisse Konzepte noch einmal ein bisschen durchdenken. Wir haben hier am Wochenende diese Twilight-Vorstellung gesehen von mehreren Firmen: Die Halle war brechend voll von Teenies. Das heißt, man muss vielleicht mal zusammensetzen und weiterschauen, was das Ganze heutzutage wieder nach vorne bringen würde. 

GX: Wieviel Km/h habt ihr im Schnitt drauf, wenn ihr eure Runden hier fahrt?

Danilo: Das ist schwer zu sagen. Es gibt natürlich verschiedenen Disziplinen. Da kann schonmal deutlich über 60 Stundenkilometer erreicht werden, also circa 60 bis 62 km/h. Das Spitzenteam fährt ca. 65. Dann gibt es so genannte Jagden, wo es mehr auf die Ausdauer ankommt. Da fährt man aber auch 54, 55 Stundenkilometer.

GX: Wie oft versucht man da mit euch zu wetten, etwa ob ihr schneller fahren könnt als ein Auto?

Andreas (lacht): Also gegen ein Auto würde ich es auf der Bahn hier gerne aufnehmen, denn das passt ja kaum drauf. Insofern hat man also eine große Möglichkeit. [ernst] Aber es ist tatsächlich ziemlich schwierig, auf dieser Bahn zu fahren. Danilo hat es ja gerade schon gesagt: nicht zu Unrecht werden wir als Artisten bezeichnet.

GX: Wie bereitet man sich auf ein solches Event vor?

Danilo: Also diese Bahn-Geschichte ist wirklich speziell, da muss man auch wirklich vorher auf der Bahn trainieren. Jeder Straßenprofi hat im Jahr eigentlich so 40.000 Kilometer, davon zwei Drittel der Wettkampf. Im Vergleich zur Straße muss ich hier sagen: es ist sehr kurz, aber dafür sehr, sehr intensiv. Man muss extrem hohe Geschwindigkeiten fahren, das heißt, der Körper bildet auch sehr viel Laktat. Man muss mit sehr hohen Pulsfrequenzen arbeiten. Das muss man natürlich im Vorfeld auch trainieren. Obwohl die Ausdauer natürlich auch eine Rolle spielt, wenn man sechs Tage durchhalten möchte. Gerade als Fahrer muss man versuchen, technisch das Optimum herauszuholen. Wenn man's genau sieht: Man muss mega konzentriert sein, man muss hellwach sein - gerade um in der Nacht zu fahren. Das ist natürlich auch eine zusätzliche Schwierigkeit.

GX: Thema Radsport generell: Danilo, auf deiner Homepage beziehst du sehr offen Stellung zu deinen Dopingvorwürfen, die dir vor einigen Jahren gemacht wurden. Es gab zu dieser Zeit sehr viele Profis, die mit derartigen Vorwürfen zu kämpfen hatten. Befindet sich der Radsport seither in der Krise?

Danilo: Natürlich, das ist ganz klar. Wir haben ja im Moment wieder so eine Art Läuterung nach dem Fall Robert Enke, wo auf einmal alle offen mit Tabu-Themen umgehen wollen. Und der Radsport ist vielleicht irgendwann einmal in ein solches Tabu-Thema reingekommen. Was der Radsport gemacht hat, war ganz klar zu sagen: es ist so. Jeder für sich muss natürlich selbst entscheiden, inwieweit er davon betroffen oder involviert war oder ist. Nur: Was uns immer ein bisschen fehlt, ist einfach, dass man von außen betrachtet als positiven Fakt nimmt, wie wir damit umgehen. Es gibt keine andere Sportart, die wirklich auf alles kontrolliert, die auch knallhart die Sanktionen voranstellt und wo es wirklich auch ein ganz klares Umdenken gibt. Und auf der anderen Seite muss man auch mal sagen: Derjenige, der in seinem Leben vielleicht noch nie zu schnell Auto gefahren ist, soll sich bitte mal melden. Wenn man nicht irgendwo damit konfrontiert wird, würde man da ja auch immer sagen: ja, ich halte mich ja immer an die Regeln - bewusst, unbewusst. Der Punkt ist, dass wir auf einmal ein wenig als die Bösewichte der Nation dargestellt werden. Aber wie gesagt: es ist halt irgendwo so ein Selbstläufer gewesen, dass man - ich sage mal - leichter damit umgegangen ist, sich auch selber nicht so geschützt hat. Aber wir [der Radsport] haben versucht, das wirklich zu verändern, und es geht jetzt nach vorne. Ich denke mal, dass wir jetzt eigentlich relativ gut aus der schwierigen Phase heraus gekommen. Natürlich gilt es noch, viel, viel daran zu arbeiten und auch die Leute wieder zu motivieren. Aber ich denke, wir sind auf einem guten Weg.

 

GX: Danilo, wir haben gehört, dass du vor wenigen Wochen einen neuen Deal unterzeichnet. Das wird wahrscheinlich gerade dir auch ein wenig Genugtuung geben gegenüber denjenigen, die dir in dieser Zeit das Leben schwer gemacht haben.

Danilo: Ich sage mal so: Man kann es zumindest in so einer Phase sehr gut aussortieren - so ein wenig nach diesem Aschenputtel-Prinzip: Es ist auf jeden Fall so, dass man wirklich seine wahren Freunde kennen lernt. Es ist auch lustig, dass die Schludersdorfer auf einmal wieder alle da sind. Aber wie gesagt, für mich ist es ganz wichtig gewesen: Ich habe sozusagen alles auf mich genommen. Ich habe gesagt: Ok, ich war mit daran beteiligt - ich weiß nicht, in welcher Form. Aber die Probe war halt positiv. Das heißt, irgendwo muss ich etwas falsch gemacht haben. Aber wenn das Reglement so ist... Ich habe am Anfang versucht, aufzuzeigen, dass es nicht bewusst war. Danilo Hondo war auch eine Art Präsidenzfall. OK. So ist das Leben. Man wird nicht immer Recht bekommen. Für mich ist es eben wichtig, dass man trotzdem die Chance hat, sich zu rehabilitieren, und die bekomme ich jetzt. Ich bin sehr motiviert und hoffe auch, dass ich den Leuten nochmal zeigen kann, dass ich ein anständiger Sportler und Mensch bin. Nicht zuletzt München hat mir diese Chance jetzt gegeben.

GX: Stichwort Motivation, wie lange werden wir euch noch im Profisport sehen?

Andreas: Bei mir ist das Ende der Karriere deutlich abzusehen. Ich habe den Zielstrich deutlich vor den Augen. Ich fahre noch drei oder vier Tagerennen. Ich bin mir zwar noch nicht ganz sicher, ich habe also noch nicht mit dem Veranstalter in Berlin gesprochen. Aber ich denke, das sollte mein letztes Sechstagerennen werden, wo ich eine Rückennummer habe.

GX: Wie geht es dann weiter?

Andreas: Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich einen Arbeitsvertrag unterzeichnen konnte: Bei Derby Cycle, sprich Focus. Ich bin dort zuständig für die Koordination zwischen dem Team Milram und Focus. Das ist ein perfekter Einstieg. Man bleibt der Sportart treu, nur eben von einer anderen Seite, der technischen Seite. Besser kann man sich das nicht wünschen.

Danilo: Also, ich denke, dass es bei mir noch so zwei, drei, vielleicht sogar noch vier Jahre sein werden. Aber ich setze mir da kein Limit. Ich schaue mal einfach. Ich habe auch noch andere Pläne. Aber ich bin noch sehr motiviert, habe noch Spaß daran - deswegen möchte ich das gerne noch etwas künstlich hinausschieben.

GX: Welches Highlight gibt es noch für dich, das du gerne erreichen würden?

Danilo: Natürlich wäre ein Tour-de-France-Etappensieg für mich persönlich noch einmal sehr interessant. Aber es geht mir prinzipiell darum, einfach nochmal viel Erfahrung zu sammeln - auch für eigene Projekte nach der Aktiven-Laufbahn. Und da gibt es im nächsten Jahr noch einmal eine riesige Aufgabe. Es gibt noch einiges zu tun!

 

 

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