
Valentinstag. Auch in deutschen Gefilden ist der 14. Februar längst vorgemerkt im Herzen aller Paare, Verliebten und derer, die es gerne wären. Was das mit Poker zu tun hat? Genau das haben auch wir uns gefragt, oder besser: Macht es bei der Suche nach dem perfekten Herzblatt einen Unterschied, Pokerpro zu sein bzw. dies vorzugeben? Wir haben den Selbstversuch gemacht und uns mehrere Wochen lang auf verschiedenen Dating-Websites „herumgetrieben" - mit amüsantem, vor allem aber interessantem Ergebnis. Der Titel „Pokerpro" scheint den Flirtfaktor tatsächlich in die Höhe schnellen zu lassen. Warum das so ist? Lest selbst...
Die Suchanzeige: Als Valentina79 und Aceshansen wurde nach der perfekten Romanze gesucht.
Die Idee stand fest. Nun musste zunächst einmal das passende „Rüstzeug" her, und das bedeutet in Sachen Dating nicht nur ein entsprechendes Profil mit Beschreibung und Foto. Ebenso müssen ein geeigneter Spitzname, ein Beuteschema - sprich: Definition des gesuchten Partners - und natürlich einige Websites her, die entsprechende Dienste anbieten. Um das Ergebnis möglichst repräsentativ zu gestalten, sollten es insgesamt sechs verschiedene Domänen sein, auf denen wir „auf Jagd" gehen wollten. Ebenso wichtig: Damit überhaupt ein Vergleich angestellt werden konnte, sollte „Chancengleichheit" gewährleistet sein. Unsere Inserate mussten absolut identisch sein, mit dem einzigen Unterschied, dass exakt die Hälfte unseren Beruf als professioneller Pokerspieler aufführte und dies auch in der Subline klar unterstrich. Bei der anderen Hälfte entfiel eben dieses Kriterium. Bezüglich der Websites entschieden wir uns für sechs internationale Websites, allesamt mit unterschiedlicher Zielgruppe: Berücksichtigt wurden sowohl so genannte „seriöse" Domänen, die etwa von angesehen Tageszeitungen angeboten werden und vor allem auf das eher gut gebildete Klientel abzielen. Ebenso registrierten wir uns natürlich auf Websites mit sehr jungem Publikum verschiedener Bildungs- und Berufsgruppen. Natürlich mussten wir auch einen Ort vermerken: London. Immerhin sollte ab einem bestimmten Zeitpunkt ja tatsächlich gedatet werden.
„Wir", das sind übrigens mein englischer Kollege Fred und ich - wie erwähnt, hatten wir uns schließlich zum Ziel gesetzt, ein möglichst repräsentatives Ergebnis zu erhalten, und das auch mit Blick auf die verschiedenen Geschlechter.
Es mussten also Spitzname und Profil her. Fred tauchte als „Aceshansen" in den Cyberspace ein. Wie nicht schwer zu erraten ist, war sein Profilname an Gus Hansen angelehnt, der bekanntlich eine Vielzahl weiblicher Fans haben soll. Ich selbst entschied mich - mit Blick auf das ausschlaggebende Ereignis, den Valentinstag - für den Profilnamen „Valentina79". Zugegeben, bereits an dieser Stelle herrschte in unserer Redaktion allgemeine Heiterkeit. Es lebe das Klischée! So wirklich konnten keiner von uns glauben, dass uns jemand diesen Auftritt tatsächlich abnehmen würde. Allgemeines Gelächter gab es dann vor allem, als wir das Profil aufsetzten. Und so sahen die Einzelheiten zu „Valentina79" aus:

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„Hallo Jungs, Ich bin erst vor wenigen Wochen nach London gezogen, und mir gefällt es wirklich hervorragend. Trotzdem finde ich es nach wie vor sehr schwierig, neue Leute kennen zu lernen, besonders den richtigen Mann. Du solltest aufgeschlossen, smart und unterhaltsam sein. Ein wenig über mich: Ich bin halbe Italienerin, halbe Amerikanerin, 29 Jahre alt und professionelle Pokerspielerin. Genau gesagt, ist Poker nicht nur mein Beruf, sondern auch meine große Leidenschaft. Aber natürlich gibt es auch ein Leben fernab des Poker, auch wenn es sich derzeit etwas leer anfühlt. Wenn Du also etwas Schwung in mein Leben bringen möchtest, melde Dich! Valentina" |
Um möglichst viele Interessenten anzusprechen bzw. nicht umgehend zu verschrecken, hatte Valentina nahezu alle weiteren Charaktermerkmale, Hobbies, Beschreibungen etc. nicht näher aufgeführt - sowohl mit Blick auf die Beschreibung der eigenen Person als auch mit Blick auf den gesuchten Partner. Bei vielen Dating-Websites werden so genannte Match-Prozente, Gemeinsamkeiten, vergeben. Je mehr man einschränkt, desto geringer [wenn auch besser] die Trefferquote. Aber wir wollten schließlich die breite Masse! Da der gesuchte Partner jedoch zwingend mit mindestens einem Satz beschrieben werden musste, lautete Valentinas Statement wie folgt:
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„Mr. Right? Das ist einfach. Du solltest auf Deine eigene Weise interessant und lustig sein, aufgeschlossen und vor allem eine eigene Persönlichkeit haben. Überzeuge mich ;-)" |

Und das waren die Infos zu Aceshansen:
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"Ich sage an dieser Stelle nicht, dass ich vertrauenswürdig, fürsorglich und lebensfroh bin. Denn mal ehrlich, wann warst Du das letzte Mal in einer Bar, hast einen Mann gesehen und gedacht 'wow, der sieht wirklich lebensfroh und vertrauenswürdig aus'?... Wahrscheinlich nie. Wenn man ehrlich ist, wurden Wörter wie 'lebensfroh' eigens für Seiten wie diese erfunden. Man würde sich selbst niemals als lebensmüde beschreiben. Also hier ein bisschen über mich, das Hand und Fuß hat: Ich bin ein 24-jähriger Pokerspieler. Ich reise recht viel und spiele dabei verschiedene Turniere - zum Beispiel geht es im Januar auf die Bahamas, um an einem Pokerturnier an den Start zu gehen. Meine Liebensstadt bisher ist aber Las Vegas." |
Aceshansen's Kommentar zu seiner Herzensdame:
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"Sie sollte ziemlich gut beim Monopoly sein und auch recht gut beim Snooker - haha. Ich bin eigentlich recht offen". |
Die Anzeigen gehen online: Ein erstes Fazit nach 4 Stunden
Valentina setzte also auf das altbewährte kitschig-romantische Prinzip, Aceshansen ging mit einer Portion Zynismus und Humor an den Start. Kurz noch die passende Email-Adresse eingerichtet und auf „posten" geklickt, gingen unsere Anzeigen online.
Nach etwa vier Stunden der erste Check: Wie viele hatten unsere Profile bereits angeschaut, wie viele konnten wir begeistern und eventuell sogar schon zu einer Email inspirieren?
Zunächst musste Aceshansen Resultate bringen. Die große Ernüchterung: Keine Email, kein Fan (das sind die Leute, die zwar prinzipiell Interesse signalisieren, jedoch nicht konkret Kontakt aufnehmen). Lediglich elf Damen hatten sich das Profil angeschaut.
Dann wurde der Posteingang von Valentina überprüft. Große Erwartungen gab es nicht, erst recht nicht nach der Bilanz des Kollegen, da war sich das gesamte Redaktionsteam einig.
Doch dann die große Überraschung: Die Herren schienen nicht nur weitaus interessierter, sondern auch wesentlich aktiver zu sein. Nach nur vier Stunden konnte ich in meiner Mailbox eine beachtliche Anzahl von 73 Benachrichtungen verzeichnen - 54 Fans und darüber hinaus sage und schreibe 19 Emails. Wer hätte das gedacht?
Eifrig wurden die Emails überflogen und diskutiert - nun gut, es wurde auch viel gelacht. Amüsant zu sehen, wie einige Kandidaten sich buchstäblich bewarben und anpriesen, mit welchen völlig abgedroschenen Sprüchen man in die Offensive ging, war es schon. Gängig war vor allem der Spruch:
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Ich würde mich gerne mit Dir treffen, damit Du mir Pokertips geben kannst. |
Es gab die richtig abgedroschenen Sprüche:
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„Wenn ich Dir sage, dass ich Herz-König und Ass halte, würdest Du bei mir all-in gehen?" |
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„Pokerspielerin? Komm vorbei! Brauche ganz dringend eine Herzdame!" |
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„Ich habe immer gesagt, dass Pokerspieler weder Klasse noch Stil haben. Es gibt immer eine Ausnahme, wie ich bei Dir feststellen musste." |
Dann gab es allerdings auch richtig Lustiges:
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„Valentina, Valentina - I'd so like to see ya - with aces and kings - I am sure that it clicks - so let us together - be a royal flush forever." [Valentina, Valentina - ich würde dich so gerne sehen - mit Assen und Königen - bin ich mir sicher, dass es funkt - also lass uns für zusammen - für immer ein Royal Flush sein." |
Wahrscheinlich seid Ihr von dieser Dichtkunst nicht weniger entzückt als wir es waren. Wer hätte schon gedacht, dass Poker in manchen Männern sogar den Goethe weckt...
Natürlich mischte sich bei den Emails so einiges und schnell wurde klar: Wenn wir wissen möchten, ob Poker tatsächlich ein Flirtfaktor ist, mussten wir unsere Kriterien weiter einschränken. Bei einem Gros der eingehenden Emails konnte zweifellos vermutet werden, dass etwaige Interessenten sich ohnehin gemeldet hätten und der Poker in diesem Fall lediglich ein guter Aufhänger war, die Standart-Email ein wenig ansprechender und persönlicher zu gestalten. Daher beschlossen wir, fortan nur noch solche Emails in der Wertung zu berücksichtigen, die sich zu mindestens 90 Prozent um Poker drehten. Wurden die Karten also nur mit einem Satz erwähnt, dann aber zu einem anderen Thema gewechselt, wurde die Email nicht in der Kategorie „Flirtfaktor Poker" vermerkt.
Trotz allem war die Gesamtbilanz nach nur einem Tag sehr interessant: 137 Emails hatten sich in Valentinas Postfach angesammelt (Aceshansen hatte immerhein eine Email bekommen). Von 137 Emails fielen insgesamt 103 auf die Accounts von Valentinas Profiplayer-Profil, weitere 34 auf die „Normalo"-Anzeige. Damit läge der Flirtfaktor Poker also bereits bei 75,18 %. In 93 dieser 103 Emails spielten die Schreiber auf Poker an - immerhin mehr als 90%. Und in stattlichen 54 dieser Emails drehte sich nahezu die gesamte Unterhaltung um Poker - das sind mehr als 54%. Und genau diese Gruppe ist diejenige, die wir unserem kleinen Experiment zugrunde gelegt haben: Die Emails, in denen die Schreiber zwar generell flirten, ihr Hauptinteresse aber vor allem der Tatsache gilt, dass Valentina79 angeblich eine profesionelle Pokerspielerin ist.
Woche 1
Nach einer Woche wurde der Posteingang erneut kontrolliert. Die Ergebnisse waren nun schon weitaus aussagekräftiger. Insgesamt lagen 267 Emails bei Valentina vor, 39 bei Aceshansen. In unsere Wertung, also in die reine Poker-Flirt-Sparte, fielen insgesamt 176 bzw. 11. In Valentinas Fall lag der Flirtfaktor Poker somit bei 65,91% und 28,20%. Dass der Flirtfaktor Poker bei männlichen Interessenten scheinbar besser greift als bei Frauen, war schwer zu übersehen. Dennoch sprach das Gesamtergebnis für sich - nämlich FÜR den Flirtfaktor Poker. Wir waren gespannt, ob sich diese Feststellung auch nach den nächsten Wochen halten würde.
Woche 2 + 3
Die nächsten zwei Wochen waren vorüber und sollten der ersten Stufe unseres kleinen Versuchs vorerst Genüge tun. Nach drei Wochen Online-Werbung für Valentina79 und Aceshansen waren wir der Meinung, dass die Ergebnisse sich so solide entwickelt hatten, dass wir unseren Anzeigen wieder abschalten und das Feedback auswerten konnten.
...Wenn Ihr wissen möchtet, wie es weiter geht, geht hier auf unsere Website, um den gesamten Beitrag zu lesen
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